Der Einstieg und Verbleib im Beatles Zeit Alter

 

Bevor ich als Jugendlicher das erste mal intensiver mit der Musik einer Band namens „The Beatles“ zusammen “knallte“, hatte  ich eigentlich mit der Musikrichtung des „Rock’n Roll“ bzw. des Mersey Beat wenig am Hut. Die Musik, die zu Hause aus dem alten Röhrenradio (eher leise) klingen durfte, war deutsche Schlagermusik oder Opern- und Operettenmusik [Letzteres empfand ich für mich als Höchststrafe].

Aber die jüngste meiner drei älteren Schwestern hatte einen Plattenspieler und hin und wieder lief da auch mal eine Platte von einer ihrer Freundinnen. „Elvis“ war bei ihnen ganz groß angesagt. "Beknackt" aber zumindest erträglicher als Strauß oder Wagner.

 

Zum Geburtstag 1964 bekam ich von meiner Schwester eine Single von den Beatles geschenkt. Es war die Platte „twist & shout / boys“. Zuerst vermutete ich, dass sie das Geschenk für sich selbst gekauft hatte und sie darauf spekuliert hatte, dass sie die Platte wieder von mir zurück bekäme, weil mir die Musik nicht gefällt. Aber nein – sie hatte es tatsächlich ernst gemeint mit dem Geschenk – sie wollte mich überzeugen, dass diese Musik gar nicht so „beknackt“ war, wie sie immer von mir zu hören bekam. Und .... ihre Rechnung ging auf – dann aber auch so heftig, was sicherlich so nicht vorhersehbar war.

 

Ein neuer Beatles Fan war geboren.

 

Mit der Ruhe im elterlichen Haus war es auch schlagartig vorbei. Die alten Platten von „Lale Andersen & Co.“ wurden eingemottet und das Taschengeld wurde eisern für den Erwerb der neuen Beatles Platten gespart. Und wenn es wieder eine „Neue“ gab, dann dudelte (wie mein Vater sagte) dieser Song nach der Schule den ganzen Nachmittag – immer wieder  – 2:34 min. rauf und runter!

Es haben alle überlebt und unser kleiner Ort wusste nun, dass es auch noch etwas anderes gab als die Volksmusik von den Harzer Roller-Spatzen.

 

Auf die Beatles ließ man nichts kommen. Die eigenen Haare wurden auch länger (mit dem Button „Jesus hatte auch lange Haare“ konnte man die Langweiler im Ort ziemlich schnell stumm schalten), Beatles-Jackets, Beatles-Stiefel waren Pflicht. Plötzlich war man nicht mehr der liebe nette Junge, sondern irgendwie ein Revoluzzer, ein „Anti“, und selbst stolz drauf, so gesehen zu werden! Jede blöde Bemerkung verstärkte die „anti“ – Haltung noch ein Stück. Es war schon, wenn auch noch nicht so ausgeprägt, der Beginn und ein Teil dessen, was ein paar Jahre später in die Jugend-/Studentenbewegung mündete und zu guter Letzt in Deutschland als die „68er-Bewegung“ für Unruhe sorgen sollte.

 

Die Musik der Beatles hatte mich wirklich in den Bann gezogen. Was um die Beatles so drum herum passierte, kam dann jede Woche durch die news der BRAVO ins Haus. Die Tapeten waren bald nicht mehr sichtbar, weil die lebensgroßen Bilder der Beatles über Wochen aus der BRAVO den Weg an die Wand fanden. Begeisterung bei meinen Eltern – Gegenmaßnahme einleiten: Lautstärkeregler hochfahren.

 

Im Laufe der Jahre nahm das Interesse an dem, was die Beatles so anstellten, nicht unbedingt gesteigert zu (aber auch nicht ab). Aber weil eben auch andere Bands super Musik machten und man sich auch dafür interessierte, blieb meist nur das „Wichtigste“ von den FAB FOUR hängen.

Klar: ihre Songs, ihre LPs, ihre Filme, die Veränderung ihrer Stilrichtung spätestens bei „REVOLVER“, ihre Absage an Live-Auftritte, der Vergleich von John Lennon zum Bekanntheitsgrad Beatles/Jesus, ihre Indien Tour zum Maharishi, der weltweite Fernsehauftritt mit „All you need is LOVE“, das Cover von „Sgt. Pepper“, die Diskussion um den angeblichen Tod von Paul (weil er barfuß auf dem Abbey Road Cover abgelichtet ist) und natürlich die offizielle Bekanntgabe ihrer Trennung Anfang 1970 – all das war prägend für die bleibende Erinnerung an die Beatles-Zeit.

 

Und nach der Zeit:

Paul McCartney und seine Wings, sein unermüdlicher Schaffensdrang mit vielen Hits bis heute (er tourt noch immer und ich habe ihn live am 30.04.2003 in Hannover erleben dürfen),

John Lennons sozialkritischen Songs mit seiner Plastic Ono Band (vielfach nicht unbedingt ein musikalischer Hochgenuss) und seine Ermordung im Dezember 1980,

Ringos Starrs Suchtprobleme und hin und wieder ein kleines musikalisches Highlight,

George Harrisons Concert for Bangladesh, das Album „All Things Must Pass“, sein Welthit „My Sweet Lord“, das Band-Projekt „Traveling Wilbury“(zusammen mit Tom Petty, Roy Orbison, Bob Dylan und Jeff Lynne) und sein viel zu früher Tod Ende November 2001.

 

Und dann im Herbst 1995 die Neuigkeit:

Die FAB FOUR bringen eine neue Platte auf den Markt. Nach 25 Jahren wieder ein gemeinsamer Song! Titel: Free as a Bird.

Wie das? – John war seit 15 Jahren tot. Es handelte sich um eine alte Aufnahme, die John Lennon aufgenommen hatte und Paul, George und Ringo nun musikalisch ergänzt hatten.

Die Beatles Anthology Zeit war angebrochen und für die alten Beatles Fans wurden nicht nur alte Zeiten wieder wach, sondern es kam auch viel bisher Unbekanntes zum Vorschein.

Paul, George und Ringo hatten sich bereit erklärt, ihre Geschichte der Beatles selbst zu erzählen. Sie gaben Interviews (auch wieder gemeinsam), öffneten ihre Foto- Film- und Songarchive und es entstand „The Beatles Anthology“ - das Buch, die 3 Doppel CDs und der Film. Und John Lennon hatte schon früher viele Interviews und Beiträge zur Ära der Beatles geliefert. Auch diese finden sich im Buch wieder. Natürlich haben auch andere Zeitzeugen der Beatles zum Gelingen der „Anthology“ beigetragen, z.B. Yoko Ono, die Witwe von John Lennon oder George Martin, der Producer der Beatles.

Als ich den „Dreiteiler“ von „Anthology“ im Fernsehen sah, musste ich bedauerlicherweise feststellen, dass bei mir inzwischen doch etliche Erinnerungslücken eingetreten waren – Vieles war zwar nur verschüttet und konnte aus dem Langzeitgedächtnis wieder ans Licht befördert werden, anderes war aber entweder gar nicht gespeichert oder irgendwann gelöscht.

Aber die alte Beatles-Zeit war wieder geweckt und ich habe mir zu Weihnachten 2001 das „Anthology-Buch“ schenken lassen. Ein wahres Meisterwerk, mehrere Kilo schwer – die Geschichte der FAB FOUR von ihnen selbst erzählt. Mit vielen bis dahin nicht veröffentlichen Bildern.

Es existieren ja viele tausend Abhandlungen in Buchform oder im Internet über die Beatles, aber keine erzählt eben die wahre Geschichte exakter und ausführlicher als „Anthology“ selbst.

Und weil man dieses Buch m. E. nicht toppen kann, bzw. jeder Versuch misslingen muss, eine Abhandlung über die Beatles gemessen an der "Anthology-Steilvorlage" zu verfassen, sollen meine Homepage-Seiten zum Thema „Beatles“ deshalb auch keine „Abhandlung +1“ werden, sondern dazu beitragen, Wissenswertes zu den Beatles in komprimierter Form an den Besucher zu bringen – also überwiegend informativ und hoffentlich auch ein wenig unterhaltsam.

Gleichwohl habe ich auf der Übersichtseite „The Story“ einige Abhandlungen zum Thema Beatles aufgenommen, die mir von der Art der Zusammenfassungen als ganz brauchbar erscheinen. Sicherlich gibt es andere, bestimmt auch bessere – „suchet – so werdet ihr finden!“

Ohne eine Internetseite besonders hervorheben zu wollen, möchte ich aber auf die deutsche Beatles Seite von Flensburg Online mit dem Tageskalender hinweisen und die daraus von mir zusammen gestellten Jahreskalender der Beatles Aktivitäten.

 

Zum Schluss noch einen Dank an Nadja , die durch ihr selbst gewähltes Schulreferat über die Beatles und den damit verbundenen ständigen Nachfragen, wie das denn damals war, mich selbst  wieder in die „gute alte Beatles-Zeit“ zurück geschickt hat.

Und auch einen riesigen Dank an Ute für die Geduld und das Verständnis mit mir und meinem „neuen/alten“ Hobby.

Und schließlich auch Dank an Sina für die relativ wenigen Klagen über die Lautstärke meiner Kellermusik.

(verfasst im Zeitalter der Beatles anno 2003)